Customer Experience in Zeiten von Digitalisierung

Customer Experience in Zeiten von Digitalisierung

15.11.2019 / Fachartikel

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, 
auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten den Wandel anpassen kann.“

Charles Darwin 

Was bedeutet es heute, Teil der Industrie 4.0 zu sein? Wie schnell müssen wir uns heute eigentlich entwickeln, um am Zahn der Zeit zu sein und wie können wir digitaler werden, ohne unsere Traditionen oder physischen Gegenstände zu verlieren, die wir so sehr ins Herz geschlossen haben? 

Papier hat noch immer Bedeutung, aber nicht alles muss gedruckt werden. In der heutigen Zeit erhalten wir täglich eine Flut von E-Mails und Nachrichten und bearbeiten sie auf diversen mobilen und stationären Endgeräten. Immer weniger Menschen tragen ein Buch bei sich, und gerade deshalb haben Briefe und Karten eine wichtige Bedeutung bei speziellen Ereignissen und wichtigen Dokumenten. Handarbeit hat einen hohen Wert, aber automatisierte Massenbearbeitungen sparen Zeit, Geld und Energie: wichtige Energie, die wir vielleicht schon bald in andere Aktivitäten investieren können - ohne kostbare Handarbeit aus den Augen zu verlieren, wie bei Sonderanfertigungen.
 
Laut einer Studie des EHI (IT- Trends im Handel 2019 – Investitionen, Projekte und Technologien) haben nur 32% der befragten Unternehmen künstliche Intelligenz in Ihrem Unternehmen integriert. 36% möchte in den nächsten drei Jahren künstliche Intelligenz etablieren und die übriggeblieben sind noch vom digitalen und technologischen Zeitalter weit entfernt. Das IT-Budget und qualifizierte Mitarbeiter sind das A und O für eine erfolgreiche Implementierung und Etablierung im Unternehmen. Diese wird durch eine erfolgreiche Omnichannel-Integration, Electronic Shelf Labels und den digitalen Kassenbon, Mobiltelefon-Bezahlungen, intelligente Spiegel, Kundenanalysen und Serviceleistungen vom Mobiltelefon realisiert. Eine riesige Herausforderung heute noch für Unternehmen, aber eine sehr Chancenträchtig auf langfristige Sicht, da Firmen und Marken die Kunden besser kennen lernen können den je zuvor. Echtzeit-Messungen, die die Entwicklung des Kunden auf diversen Touchpoints kontrollieren, ermöglichen agile Marketingstrategien und eine perfekte Adaption an Markt- und Kundengegebenheiten. 

Wie beziehen wir als Figo all dies in unsere Arbeit mit ein? 

Wenn das Figo-Team Storekonzepte entwickelt, den Designprozess zusammen mit dem Kunden durchlebt und durch die Planung die Ausführung vorbereitet, kommt immer wieder die Frage auf, wie der Kunde sich bei der Nutzung der Räume fühlen wird. Wie fühlt sich der Kunde, wenn er ein bestimmtes Material spürt? Wie bewegt sich der Kunde im Ladenlokal? Wie kann der Kunde am besten ergonomisch einen Screen oder eine Testbar bedienen? Wie können wir den Kunden positiv überraschen? Es stellt sich immer wieder die Frage, welche Elemente digital und welche manuell gesteuert werden sollten. Was ist kosten- und zeiteffizienter? Und was ist nach neustem Stand der Wissenschaft und Technologie möglich? 

Wir von der Figo GmbH sind ein internationales Team, welches mittlerweile neun Sprachen spricht und aus elf verschiedenen Ländern gebürtig stammt. In unserem Expertenartikel von Ayse Ulupinar haben wir die Wichtigkeit von internationalen Kooperationen betont, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu schauen und andere Begebenheiten - die verschiedene Länder mit sich bringen - im Design, Planungs- und Ausführungsprozess miteinzubeziehen, um einen Kunden den besten Nutzen und das beste Erlebnis bieten zu können. Gerade deshalb schauen wir über den Tellerrand und erkunden den globalen Markt immer wieder aufs Neue und fördern internationale Teams bei uns im Headquarter in Bochum und an unserem Standort in Berlin. 

Um die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu erkennen, sind neben den kulturellen Unterschieden die individuellen Bedürfnisse ein wichtiger Faktor in der kundenorientierten Bau- und Designweise. Dafür lernen wir den Kunden kennen, seine Bedürfnisse, seine Umgebungsvariablen und seine Nöte. Wir begleiten den Kunden in seiner ganzen Customer Journey und seinem Lebenszyklus und erarbeiteten immer wieder neue passende Erfahrungen, die wir individuell auf Aktualität überprüfen und anpassen. So kann ein Kunde sich im Geschmack und Vorlieben über die Jahre verändern oder durch eine physische oder psychische Veränderung neue Bedürfnisse aufweisen, an die sich der Laden, das Produkt und der Service anpassen müssen, um den Kunden zu erfreuen. 

Dies macht auch der Artikel von Angela Veccari-Kruse deutlich: Shopkonzepte müssen Barrierefreiheit einplanen und die Inklusion von jedem potentiellen Kunden einbeziehen. Hier stellt sich die Frage, was der Kunde zu einem gewissen Zeitpunkt im Leben benötigt und ob wir dies bereits bieten oder bereitstellen müssen. Kann ein Rollstuhl durch den Gang fahren? Ist die Blindenschrift an einer guten Stelle angebracht, funktioniert die Audiofunktion einwandfrei? Sind Beschilderungen und eingesetzte Symbole verständlich? Ist die Umgebung entspannend und wirkt sie gegen eine Reizüberflutung?

Wir haben uns gefragt, von welchem Markt wir noch etwas lernen können und somit hat sich Figo wichtigen Retail-Themen gewidmet, die die Branche bewegen. Wir haben uns dieses Mal die Frage gestellt, welche Metropole wir näher unter die Lupe nehmen können, um Digitalität, Inklusion und Design zu erkunden. Die Entscheidung fiel uns nicht schwer und so haben wir den Olympia- und Paralympics 2020-Veranstalter und Technologievorreiter Japan ausgewählt. 

In einem Forschungsaufenthalt in Japan haben wir den lokalen Retailmarkt genauer unter die Lupe genommen, Einheimische befragt, die neusten Tech-Trends ausgetestet, um so den Vorreiter in Technologie näher kennenzulernen und auch die Anpassungen für die Paralympics zu erkunden. 

Lasst euch auf eine Reise mitnehmen, die genauso durch Einsen und Nullen wie auch durch reichhaltige Traditionen und kultureller Schönheit führt. 

VIDEO: Figo in Japan
Video-Teaser Japan - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement

 

Eine andere digitale Welt – Japan 

Fahrgäste in U-Bahn - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement
Schon am Flughafen haben die Roboter „Nao“ und „Pepper“ das Figo-Team begrüßt. Sie konnten uns Wege erklären und unterhalten, während andere Kunden in langen Warteschlangen anstanden. Wie praktisch ein Roboter ist, spürten wir schon allein daran, dass nur sehr wenige der Japaner überhaupt fließend Englisch sprechen*. Der Roboter oder der Informationstouchscreen kann eine große Hilfe sein, wenn ein großer Ansturm an Menschen bevorsteht oder indem er eine Zeit überbrückt, in der viel japanisches Personal multilingual für ihre Besucher und für die internationale Wirtschafts-Zusammenarbeit angelernt wird. 

Viele Bildschirme zieren die U-Bahnen, Bahnhöfe und Flughäfen mit Touchscreens oder mit Bewegtbild, viele sogar mit Ton. Sie senden Emotionen, lassen Wünsche entfachen, wie für Reisen in die japanische Natur oder auf ein bestimmtes Essen oder klären auf, wo etwas in der Nähe zu finden ist. In Europa hingegen finden Kunden und interessierte Brand- und Storemanager die Aufrufe zur Nutzung von Audiomöglichkeiten im Retail und allgemein im Architekturbereich meistens nur in Fachartikeln. In Deutschland wird oft auf Ton verzichtet. Hier sollte direkt die Möglichkeit bedacht werden, dass Firmen den Ton auf das Mobiltelefon übertragen könnten, so dass keine anderen Kunden oder Mitarbeiter vom Ton gestört werden. Durch Kopfhörer oder den Lautsprecher, der auch an das Ohr gehalten werden kann, könnten Informationen und Wegbeschreibungen im Ladenlokal ablaufen. 

Audiohilfen sind eine enorme Bereicherung und werden noch viel zu stark vernachlässigt. Wie effektiv eine Audiofunktion sein kann, beweisen allein der demographische Wandel, Mitbürger, die die Sprache des Landes noch nicht sprechen, Touristen und Menschen mit Beeinträchtigungen. Aber auch für Menschen, die lieber zuhören als selber lesen, ist es eine enorme Bereicherung. Es kann auch eine Zeitersparnis sein, wenn man sich Informationen zu einem bestimmten Produkt anhören kann und gleichzeitig schon mal weitere Produkte an einem anderen Standort im Laden einpackt. 
 
Der ausgesprochen hervorragende Service und die Erleichterung des Alltages durch Technologie in Japan werden direkt zugänglich, da freies Internet in den Cafés, Restaurants, Ladenlokalen und auf den Bahnstrecken angeboten wird. So lässt sich der besagte Ort der Werbeanzeige auch direkt über Google Maps und GPS finden. 

Wenn wir durch Japan gelaufen oder mit der Bahn gefahren sind, haben wir quasi keinen Menschen gesehen, der nicht mit seinem Mobiltelefon beschäftigt ist. Das bedeutet, dass jede Fahrt eine Zeit ist, die als Werbezeit und „Customer Experience Chance“ gesehen werden kann. Menschen jeden Alters sind beschäftigt auf ihren Apps, in Chat-Programmen, auf Webseiten und sozialen Medien. Auf vielen Werbeanzeigen, Plakaten und Screens wird ein QR-Code verwendet. Durch diesen gelangt der Interessent direkt auf weitere Informationen zu Produkten und Dienstleistungen. Eine sehr einfache Art, wenn sich potenzielle Kunden in der U-Bahn sowie im Ladenlokal neue Informationen einfach auf ihr Mobiltelefon holen. Dies gibt es natürlich auch in Deutschland, jedoch hat sich der QR-Code hier noch nicht durchgesetzt. Allein die Hürde, eine App herunterzuladen, um einen QR Code nutzen zu können, hemmt viele deutsche potenzielle Nutzer. Japaner nutzen dieses einfache Tool dagegen sehr gerne und erleichtern somit die Informationssuche und sparen rare Zeit.  

Aber waren die Japaner schon immer Tech-affiner und architektonisch auf dem Vormarsch? Nein, denn in Japan war das höchste Gebäude - der Tokio Tower - in den 1930er Jahren fertiggestellt. Dieses Gebäude wird häufig als Beispiel genannt, wenn es um den Startpunkt der rasanten Entwicklung Japans geht. Die Japaner haben es geschafft, sich nicht nur in der kurzen Zeit an andere Metropolen anzupassen, sondern sie an Gebäuden, Technologien, Sauberkeit, hochwertigen Designs zu überragen und das alles, ohne ihre Identität zu verlieren. Es scheint so, als würden Japaner auf der ganzen Welt Rosinen picken und diese dann mit ihrer eigenen Note verfeinern. Etwas, wofür wir Europäer offener werden könnten.

Durch das Buch „Holistic Retail Design – Reshaping Shopping for the Digital Era“ von Philipp Teufel sind wir auf das Kaufhaus Isetan in Shinjuku aufmerksam geworden, welches unser erstes Highlight auf der Entdeckungsreise durch Japans Retailbesonderheiten darstellte. 

`Best Practice` im Retailbereich 
 

„Create great Customer Experience, please.“
Carina Patrizia Gerards
Personalisierung Estee Lauder - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement

Leg‘ mal die Hand an! 

Ein wichtiger Punkt, den viele Autoren in aktuellen Beiträgen im Customer Experience-Bereich predigen, ist der Aufruf nach Erfahrung, nach Ausprobieren und Erlebnissen in Verkaufsbereichen und Showrooms. Etwas, was die Japaner bestens beherrschen. In den Verkaufsräumen von „Tokyu Hands - a creative life store“ beispielsweise wird Ausprobieren großgeschrieben. Die Kunden können wirklich alles ausprobieren, was ihnen in den Sinn kommt und die Produkte hergeben: vom Staubsauger über Föhne, Seifen bis hin zu Lederwaren. Die Kunden können fühlen, riechen, probieren, sehr viel Zeit verbringen, Inspirationen sammeln und sogar bestimmte Produkte personalisieren lassen. Dazu gibt es bei verschiedensten Produkten sogar visuelle und auditive Erklärungen, ohne dass ein Verkäufer helfen muss. Daher der Aufruf an all unsere Kunden und potentielle Kunden: „Create great Customer Experience, please.“ Ein Laden muss mehr eine Spielfläche werden. Er muss einladen, er muss erlauben, Zeit verbringen zu dürfen, er muss ein zweites Zuhause werden. 

Einmal wieder Kind sein 

Japan bietet mit seinem ersten digitalen Kunstmuseum - das „teamLab“ - eine ganz besondere Erfahrung. Dieser außergewöhnliche Ort lässt digitale Elemente, Kunst und unser kindliches „Ich“ zusammenfließen. Unter dem Motto „Wander, Explore and Experience“ bringt teamLab unter der Berufsbezeichnung der „Macher“ „Ultratechnologists“ die Bereiche Kunst, Wissenschaft, Technologie, Design und die natürliche Welt zusammen. Die Bereiche entstehen durch das Wissen von Künstlern, Programmierern, Ingenieuren, CG Animatoren (Computer Animationen), Mathematikern und Architekten. Die digitalen Technologien haben laut teamLab die Kunst liberalisiert von ihren physischen Grenzen. Sie sehen den Menschen und die Natur als Einheit, etwas was sich gegenseitig bedingt und welches nicht voneinander abgegrenzt werden kann.  

Im Foto sehen Sie Männer, die ein Bild ausmalen und wenige Sekunden später dieses als Visualisierung an den Wänden sehen können. Sie sind Teil des Raumes und haben Einfluss auf die Atmosphäre des Raumes. Digitale und physische Elemente bedingen sich und haben starke Auswirkungen aufeinander. Interessant ist zu sehen, was die Erfahrung mit den Teilnehmern macht. Das Figo-Team konnte viele lächelnde und entspannte Gesichter sehen, die sich mit etwas beschäftigt haben, was sie höchstwahrscheinlich schon lange in ihrem Alltag nicht mehr gemacht haben. Diese Erfahrungen, die das teamLab kreiert, können neue Prozesse auslösen und den Nutzer wieder auf neue Ideen bringen oder wieder sein inneres Kind freisetzen.
Customer Experience - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement

Roboter und Künstliche Intelligenz

Eins ist klar: Die Japaner sind in der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und in der Forschung der humanoiden Roboter sehr weit entwickelt im Gegenzug zu anderen Ländern. Sie heben sich damit ab, dass sie keine Scheu haben, Prototypen auf die Menschheit los zu lassen. So kann es sein, dass eine nette humanoide Roboterfrau einem den Weg in einem Kaufhaus weist, wo eine Toilette zu finden ist oder wo es leckeres Essen geben kann.

Verschmelzung von Tradition und Moderne

Tempel Japan - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, ProjektmanagementEs ist Kunst, neue Technologien mit altbewährten Traditionen zu mischen, so dass der neue Nutzen die Effektivität steigert, aber nicht Werte einer Gesellschaft verloren gehen. Eine rasante, technologische Entwicklung setzt Anpassungsprozesse und Regeln voraus. Die Japaner schaffen es, eine Symbiose entstehen zu lassen und die neuen Möglichkeiten mit einer Leichtigkeit zu integrieren, die bemerkenswert ist. So finden sich in alten Städtchen mit traditionellen Fahnen und Symbolen immer wieder digitale Screens, die aber keineswegs fremd aussehen. Sie sind einfach in das saubere Stadtbild integriert und bilden eine Atmosphäre der Moderne, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Naturelemente werden mit elektronischen Elementen verwoben und erzeugen so eine Umgebung, die entspannt und gleichzeitig nützlich ist. 

Roboter - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement

„Diese Natürlichkeit von Tradition und technologischem Nutzen hat mich am meisten beeindruckt. Hier verschwimmen die Barrieren zwischen technischen Objekten und der Natur.“
Carina Patrizia Gerards

Es ist ganz normal in Japan, den Weg durch einen Garten per GPS noch interessanter zu gestalten. So werden dem Nutzer Informationen zu bestimmten Pflanzen oder Sehenswürdigkeiten einfach auf das Mobiltelefon geschickt. Warum dies nicht auch in einem Kaufhaus umsetzen? Ein Kaufhaus kann durch Wasserelemente, Ton und Geruch, frische Pflanzen Ruhe und Gemütlichkeit ausstrahlen. Bänke und Sessel können zum Entspannen und Verweilen einladen und Technologien können Wege weisen und Informationen geben. Das Kaufhaus wird so zu einem erweiterten Zuhause, zu einem Ort, an dem der Nutzer alleine Zeit verbringen kann, sich aber auch mit Freunden und der Familie aufhält, Geschäftsmeetings hält oder arbeitet. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist, dass diese geschaffenen Orte nicht nur nützlich sind, sondern gut aussehen. Es geht um einen ganz wichtigen Faktor: den "Instagramable wertvollen Auftritt". Es muss sich lohnen fotografiert zu werden! 

Ein Instagram würdiger Auftritt, - „an Instagramable moment“

See Japan Instagram - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement
See Japan Instagram - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, ProjektmanagementEin Punkt, auf dem Japan bereits vorbereitet ist, ist es, einen sogenannten „Instagramable moment“ schaffen zu können. Dies bedeutet, es gibt Stationen, an denen ein würdiger Auftritt für das soziale Netzwerk Instagram geschaffen wird. Ganz gleich, ob an einer Lobstar-2-Go-Bude, in einem Luxuskaufhaus oder an traditionellen Orten: Die Japaner haben es verstanden, wie wichtig es ist, den richtigen Foto-Hotspot anzubieten. Und dafür werden keine Kosten und Mühen gescheut. 

Viele Konsumenten kaufen oder besuchen ein Ladenlokal schon lange nicht mehr, nur weil sie etwas benötigen. Es ist Teil ihres Bedürfnisses, ihrer eigenen Identität Ausdruck zu verleihen. Sie möchten mit dem Bezug einer Marke eine Botschaft senden, was sie sind und was sie interessiert, zu welchem Konsumentenkreis sie sich zählen. 

Da kann eine Bar in einem Kaufhaus, eine blumenübersäte Wand in einem Store oder professionelles Fotolicht ein entscheidender Punkt sein, dass eine Marke kostenlose Werbung von Fans erhält, indem sie jeden ihrer Besuche online verbreiten. Marken und Firmen, die darauf verzichten, verlieren aber nicht nur möglichen Online-Content, sondern können auch Kunden enttäuschen. Denn die Erwartungen der anspruchsvollen Kunden ist hoch: durch den Kampf der Aufmerksamkeit zwischen den verschiedensten Firmen und Marken und deren diversen Touchpoints. Einen Punkt, den wir für unsere Kunden schon seit langer Zeit schaffen möchten: die Aufmerksamkeit auf ihre Marke und ihre Firma zu setzen. Zum Beispiel haben wir erst kürzlich für die Firma Internetstores eine Kletterwand in eine ihrer Räumlichkeiten integriert, um den Bezug zu Outdoorsport direkt erlebbar zu machen. Genauso haben wir für unseren Kunden Getslash einen Showroom kreiert, der einer luxuriösen Schiffskabine gleicht und in der Speicherstadt von Hamburg nun verschiedenste Urlaubsstimmungen ausdrückt und sich dem Kundenwunsch auditiv und visuell anpassen kann. Dort kann man eine Champagnerbar erleben, um den Raum mit einer Erfrischung zu genießen und verschiedenste Effekte, die auf alle Sinne des Kunden einwirken können. Ein Highlight in der Kabine ist eine Hängematte und ein kleiner Holzsteg. Diese Elemente laden zu einem „Instagramable Moment“ ein. Es sind Orte und Elemente, die man festhalten möchte. Die zum Verweilen einladen und die man mit anderen teilen möchte. 

Viele Kunden zieht es erst zu einer Marke oder zu einem Ort, weil dieser durch eine gewisse Qualität als „Fotospot“ bekannt geworden ist. Bestimmte Hashtags (#) und Suchkriterien im Internet und in den sozialen Medien machen es möglich, gefunden zu werden. Viele Orte werden deswegen stark gehypt. Menschen pilgern zu einem Ort oft nur für das eine Foto. Das ist eine Chance für Retailer, denn viele Kosten und Mühen werden aufgenommen, wenn der besagte Ort einen Mehrwert bietet. So kann in gewissen Fällen die Wahl der Location und somit die Immobilienkosten gesteuert werden. Dies ist ein weiterer Punkt unseres Figo-Portfolios, denn wir können helfen, das für Sie richtige Objekt am richtigen Ort zu finden. Jedes Produkt und jede Dienstleistung haben ganz eigenen Kriterien, die einen Ort zum Erlebnisort werden lassen. Und manchmal fährt der Kunde halt auch gerne eine lange Strecke, um Ihre Erlebniswelt genauer unter die Lupe zu nehmen. So sind nicht nur die teuren und sehr gut besuchten Straßen von Bedeutung, wenn es um einen neuen Standort geht. 

Um in Ihrem Ladenlokal oder Kaufhaus eine erhöhte Customer Experience zu gewährleisten und neue Technologien und digitale Elemente mit in den Store aufzunehmen, haben wir folgende Checkliste für Sie vorbereitet. 

Checkliste für Ihre Stores: 
 

Einbezug des Mobiltelefons im Ladenlokal

  • Mobiltelefonladestationen
  • Freies Internet 
  • Leichter Zugang zu Informationen durch Browser/Website und/oder App 
  • Smartphone-Integration in Store
    • Audiofunktionen
    • GPS
    • personalisierte Werbung
    • Omnichannel Nutzung (Warenkorb und Wunschlisten mitnehmen)
    • Verfügbarkeit von Produkten überprüfen 
    • Tutorials und Anwendungsbeispiele
    • Preisvergleiche 
    • NFC Technologie & RFID Technologie 
      • Bezahlung mit dem Smartphone 
      • Tap & Learn 
      • Ladestationen 

Bewegtbild 

  • Screens mit Videos 
  • Translucent Displays 
  • Projektionen von Objekten 
  • Intelligente Umkleidekabinen 
  • Intelligente Spiegel 
  • Interaktive Wände 

Einbezug von allen Sinnen

  • Duftintegration 
  • Fokus setzen durch Farbstrategien, Design der Möblierung und Wege
  • Audiofunktionen (übers Mobiltelefon, Audioguide, Boxen am Counter)
  • Materialauswahl der Oberflächen anhand des Konzeptes
  • Frische Pflanzen, Wasserstätte, Naturmaterialien 
  • Geräuschkulissenkonzepte und Entspannungsorte kreieren 
  • Lichtkonzept 
  • Café oder Bar Integration
  • Testerbar 
  • Experience Bar 
  • Lounge und Sitzmöglichkeiten 

Kriterien, um eine neue Technologie erfolgreich zu implementieren: 
[Displays, Personalisierungsstationen, Apps etc.]

1. Hoher Kundennutzen
2. Einfache Bedienung
3. Zugänglichkeit
4. Schnelligkeit der Nutzungsoberfläche 

Long story short: Ein Schlüsselwort des Designerlebens ist in Japan die Schlichtheit. Es liegt nahe, dass der Erfolg darin begründet ist, dass die digitalen Tools mit der Umwelt verschmelzen, sie sind leicht zu bedienen und führen zum erwünschten Erfolg. Wenn der Kundenwunsch sogar übertroffen wurde, was zu einem individuellen guten Gefühl führt, zieht dies oftmals Werbung mit sich, wie durch Mundpropaganda mit Aussagen wie „Du musst das getestet/erlebt haben“ und geposteten Instagramable moments. Ziel ist es, dass der Kunde die digitalen Storeelemente für sich selbst nutzt, um ein Bedürfnis zu stillen, eine gute Zeit zu haben oder sich zu informieren. Er soll die eigenen digitalen Tools einsetzen, um eine positive Kundenerfahrung mit der Welt zu teilen, wie beispielsweise durch Videos, Fotos und Erfahrungsberichte auf den sozialen Medien. Dafür muss der Zugang gewährleistet sein, die Qualität der Benutzung sowie Hilfsmittel wie Ladestationen und freies Internet. 

*
https://japan-wa.de/englischkenntnisse-der-japaner/ 
https://www.japandigest.de/alltag/verhalten/englisch-in-japan/
https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/englischkenntnisse-von-japanern-enttaeuschende-ergebnisse-im-nationalen-englischtest-176242/
 

Carina Patrizia Gerards - Figo GmbH - Shopdesign, Shopkonzepte, Bauleitung, Projektmanagement

Über die Autorin

Carina Patrizia Gerards
M.Sc. International Marketing Management with Consumer Psychology

Carina, geboren 1987, ist Marketing Managerin der Figo GmbH. Ihr Studium absolvierte sie in Deutschland und Schottland und arbeitete bereits in acht verschiedenen Ländern, was ihre Arbeitsweise und das Kundenverständnis von verschiedenen Märkten entscheidend prägte. Eigentlich sind ihre Wurzeln in der Kosmetikindustrie, aber ihre Liebe zur Kunst und Inneneinrichtung brachte sie zur Figo GmbH und ermöglicht ihr, ihre Leidenschaften zu vereinen: Einzelhandel, Interior und Nachhaltigkeit.

 

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